Samstag, 3. April 2010

Marokko 2010

Zwei Wochen Resturlaub im neuen Jahr sind was Feines - aber man muss sie eben bis Ende März nehmen. Da hilft dann nur ein Flug in ein wärmeres Land. Und da eine Freundin kurz zuvor in Marokko war und nur schwärmte - und Ryan Air nach Marrakesch fliegt, buchte auch ich einen Flug.

Insgesamt standen mit drei Wochen zur Verfügung. Meine Reise bestand aus einem anfänglichen Aufenthalt in Marrakesch, einem 4-Tagestrip im Hohen Atlas mit Besteigung des Jebel Toubkal, einer Tour in die Sahara und einem relaxten Ausklang in Essaouira am Atlantik.

Viel Spaß mit den Fotos.... 


Und hier findet ihr die gesammelten Mails...




Mail vom 26.03.2010

La Bes,
sitze gerade in einem Internetcafe in Essaouira und bin immer noch etwas geflasht... Einfach eine geile Stadt mit phaenomenalem Flair. Kein Wunder, dass Jimi Hendrix und alle moeglichen anderen Groessen hier waren. Und kein Wunder; dass diese Stadt Kreative aus aller Welt anzieht. Auch fuer mich rangiert sie unter den Top 5 der Orte an denen ich als Schriftsteller leben wollte (1: Pokhara/Nepal; 2: Essaouira/Marokko gleichauf mit Collioure/Frankreich; 3: Huette/Haeusschen in Pfaelzerwald/Schwarzwald/usw.; 4: Darjeeling/Indien; 5: Blockhuette/Kanada) Diese Top 5 Geschichte bitte ich zu entschuldigen, aber ich hab grad High Fidelity gelesen und irgendwie bin ich jetzt auf dem Top5-Film haengengeblieben. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mir zu wenig Lesbares mit in die Wueste genommen habe und daher HF gleich zweimal gelesen habe (Top 5 der wichtigsten mehrfach gelesenen Buecher: 1: Der elektrische Moench/Douglas Adams - da blieb mir im Himalaya keine Wahl 2: On the Road/Jack Kerouarc - der beste Fernweh und Freiheitsgefuehle ausloesende Roman 3: High Fidelity 4: Das Rad der Zeit/Robert Jordan - unendlicher Fantasyzyklus, der immer noch nicht beendet ist 5: Betty hat Geburtstag/??? - Stellvertretend fuer alle Kinderbuecher). Das Dumme bei diesem Top5-Ding - man vergisst wahrscheinlich die Wichtigsten.
Zurueck zum Urlaub, nochmal als Kurzzusammenfassung: Mit drei Sachsen die Nacht in Hahn zu, Tag gemacht. Marrakesh begutachtet und teils begeistert gewesen, teilweise war aber auch viel Tourischeisse dabei, wie z.B. die Schalngenbeschwoerer, die mit ihren halbtoten Schlangen versuchen Touris zu beeindrucken, oder die Affenbaendiger; die ihre aggressiven Affen auf vorbeischlendernde Touris werfen. Mein Riad (Hotel/Hostel mit schoenem Innenhof) war allerdings super und sehr nett, konnte also mein grosses Gepaeck dort verstauen. Darauf kamen auch die Sachsen (Christoph, Tim und Elli - alle suesse 23) und ich konnte sie fuer eine gefuehrte Toubkaltour begeistern. 40 Euro pro Tag und Person, dafuer alles dabei - wir haben es nie bereut. Am Donnerstag gings los. Ueberraschenderweise hatten wir sogar einen Packmuli dabei. Hossein und Omar - unser Guide und unser Mulitreiber - waren super nett, es haperte allerdings bei den allzu hohen Sprachkuensten. Die ersten zwei Tage waren die gediegene Ouvertuere fuer den Sturm auf den Gipfel. Aber auch die waren beeindruckend. Karge Berge in allen moeglichen Farben (gelb; schwarz, braun, braun, braun, rot, lila, blau, gruen) und in den Bachtaelern ein saftiges kraeftiges Gruen, wie man es sich gruener nicht vorstellen kann. Geschlafen wurde in Gites, kleinen Herbergen, in denen wir immer ein eigenes Zimmer erhielten und zum Lunch leckeres und reichhaltiges Couscous. Zu meiner Freude waren meine Begleiter alle Vegetarier, was mich vor die freudige Aufgabe stellte, das ganze Fleisch nicht verderben zu lassen ;-)
Am zweiten Tag kamen wir nach Imlil, von wo die normalen Touris auf den Toubkal starten. Dort mussten wir uns auch Steigeisen leihen, denn ohne ging es nicht auf den Gipfel. Da ich nur meine Trailrunner dabei hatte, durfte ich mir auch noch Bergstiefel leihen - und man mag es kaum glauben - sie hatten welche in meiner Groesse (ungefaehr). Am dritten Tag wurde es denn auch merklich touristischer, aber immer noch annehmbar. Von nun an ging es nur noch bergauf - von 1700 auf das Refuge unterhalb des Toubkal auf 3200 m. Die letzten Kilometer kam das Muli nicht mehr mit, da es nun etliche Schneefelder gab. Also hiess es, das Gepaeck und die Steigeisen auf uns zu verteilen. Im Refuge gab es dann das geballte Touritreffen. Enorm viele Spanier; Franzosen, Osteuropaeer und Deutsche (die waren eine Woche zum Skifahren da, immer schoen laufen, da es natuerliche keine Lifte gab). Die Nacht war wenig erholsam, da laut, stickig, stinkend. Um 6 gings raus, Fruehstueck, Steigeisen, raus in den Schnee. Schon bald hiess es einfach nur noch tapfer einen Fuss vor den anderen setzen. Ich packte meine Himalayaerfahrung aus und ging so langsam wie noetig, dafuer ohne Pause. Das verschaffte mir einen ordentlichen Vorsprung und da auch die anderen nicht langsam waren (auch Mathias nicht, den wir gestern kennengelernt hatten und der sich zum Gipfelsturm uns anschloss) hatten wir schnell eine andere Riesengruppe ueberholt. Wege gabs da oben dann keine mehr. Es ging einfach nur noch steil und gerade durch den vereisten Schnee nach oben. Ein ordentlicher Sturm blies und wir hatten zum Glueck alle dicke Wintersachen an - dass mein Bart einfror zeigte dann wohl, dass wir unter 0° hatten. Und immer weiter einfach das Steigeisen gerade vor dir in den Schnee rammen, Gewicht nach vorne verlagern, Hochdruecken, anderen Fuss nach vorne werfen - und das alles bloss nicht zu schnell, denn in der Hoehe raubt dir eine schnelle Bewegung ganz schnell den kostbaren Atem. Dann hoerte der Schnee auf und es ging durch Geroell hoch zum Gipfel; wir waren jetzt auf etwa 4000 Metern. Steigeisen aus, kurze Wasserpause und dann weiter, weiter, weiter. Schliesslich um etwa 9.30 Uhr stand ich dann mit Hossein als erster auf dem Gipfel des Jebel Toubkal, auf dem hoechsten Berg Nordafrikas mit 4167 Metern. Irgendwie schon ein geiles Gefuehl, obwohl da ne Menge Touris hochgeschleppt werden...
Kurze Fotopause bei schliesslich doch noich etwas Sonnenschein, dann gings runter - und wie. 1000 Meter bis zum Refuge, da gabs ein kleines Lunch, dann der quaelende Abstieg bis nach Imlil, weitere 1500 Meter - insgesamt also 2500 Hoehenmeter, davon 1500 bergab - den Muskelkater in den Oberschenkeln in den naechsten zwei Tagen kann man sich kaum vorstellen. Und um 19 Uhr waren wir ploetzlich wieder in Marrakesh. Ich confirmte noch schnell meine Tour in die Wueste fuer den naechsten Morgen (7 Uhr da sein, puuuh) und dann schnell Waesche waschen, mich auch und ab ins Bett. Dann schon wieder aufstehen und ab in die Wueste...

Die Tour war nun nicht so recht nach meinem Geschmack. 16 Leute (4 Suedkoreannerinnen, 3 Japanerinnen, 1 chinesisches Paerchen, 1 franzoesisches, 1 englisches, 1 Englaender, Mathias und ich) in einem Kleinbus (Beinfreiheit - paaah). Fahren in Marokko dauert ewig, 200 km nach Quarzazate dauern etwa 5 Stunden. Dann darf man sich kurz ne Festung angucken (toerti minit), wird durch zugegeben beeindruckende Taeler gefahren und haelt an 3 schoenen Punkten (ten minit, take pigtscha). Zu, Lunch wird man in ein Tourirestaurant gebracht, wo die Preise gleich in Euro stehen, aber immerhin war das Hotel ganz nett. Geschlafen hab ich trotzdem kaum (Bett zu kurz, Matratze verdiente den Namen nicht und irgendwie gings mir nicht gut) - beim Aufwachen merkte ich schon; irgendwas hat mich erwischt. Fruehstueck nicht angeruehrt, Durchfall, Immodium. Weiter ging die Fahrerei, es wurde heiss, ich fror; es gab ne Besichtigung, auch bei nem Teppichhersteller waren wir, was durchaus interessant war und sein anschliessendes Verkaufsgespraech ging nur etwa 15 Minuten und er war sogar nach unserem Nichtkaufen noch freundlich. Und immerhin weiss ich jetzt wie das mit dem fliegenden Teppich funktioniert!!! Aber ich brauch den eigentlich nicht, denn schliesslich bin ich Ali Baba - zumindest nennt mich hier jeder so. Da fuehlte ich mich allerdings ganz uynd gar nicht so. Es ging weiter mit dem Bus, es wurde wieder heiss und diesesmal mir auch. Dann gabs nur noch Wueste. So weit das Auge reichte nur noch Geroell. Ab und zu sah man anhand der STaubwolken; wo gerade ein anderes Auto langgefahren sein musste, sonst gab es nur die markierte Schotterpiste. Und irgendwann konnte man goldene Berge erahnen; die sich beim Naeherkommen tatsaechlich als Sandduenen entpuppten - da war sie, die Sahara! Und an ihrem Rand zogen sich die Herbergen und Stationen hin - kleine Wuestenfestungen, perfekt gegen Sand und Wind geschuetzt. In Yasmina stiegen wir dann um auf Kamele... Ein tolles Gefuehl krank auf nem Kamel zu sitzen. Weiteres Pech war, dass das Wetter bewoelkt und diesig war - daher gab es kein gutes Licht und Sonnenuntergang fiel auch flach. Sobald wir die Berberzelte erreicht hatten fiel ich allerdings sowieso auf meine Matratze und schlief von 18 bis 5.30 Uhr durch, nur ne kurze Unterbrechung fuers Dinner gabs und ich wurde mal kurz durch die Bongosessions meiner Mitreisenden wach. Um 5.30 Uhr wurde ich auch nicht alleine wach, sondern wir wurden geweckt. Um 6 gings wieder auf die Kamele und am wieder nicht sichtbaren Sonnenaufgang vorbei nach Yasmina zurueck. Ab in den Bus und durch nach Marrakesh. Zum Glueck gings mir wieder besser.

Fahrt klappte; Riad auch und am naechsten Tag gings mit nur noch leichtem Durchfall nach Essaouira (4h). Hier hab ich ein tolles Riad gefunden, das zwar fast 14 Euro die Nacht kostet, dafuer hab ich drei Betten und ein eigenes Badezimmer. Und ne Dachterrasse mit Blick aufs Meer. Und wie eingangs erwaehnt: Essaouira ist einfach nur geil. Total relaxed; sieht super aus und mit einem gewissen Hippieflair. Trotzdem nimmt das touristische hier nicht Ueberhand. War gestern in ner Kneipe am Hafen essen, eigentlich nur, weil da die beste Musik herkam (Cat Stevens, Pink Floyd, Eric Clapton, Norah Jones... Scorpions/Wind of Change - kriegt hier ne ganz neue Bedeutung, wenn gegenueber die Wechselstube ist) und im Endeffekt war das Teil proppenvoll und ich der einzige Touri. Zuhause hab ich dann noch zwei nette Lettinnen getroffen, die etwas verwundert ueber das Alleinereisen waren (You have to be strong all the time) und ich schwaermte ihnen natuerlich vor, wie easy das sei, und dass man ja eigentlich nie alleine sei, merkte aber irgendwann, dass es schon schoener waere das alles hier zu teilen (und nicht nur per Mail). Vielleicht war ich wirklich lange genug als Sologitarrist auf Tour... Lustiger wurde das Gespraech dann bei ihrer Schilderung des Schneckenessens und der Verwunderung darueber, dass das in Frankreich als Delikatesse gilt.

Und nach einer endlich mal richtig erholsamen Nacht, hab ich mir jetzt mal etwas Zeit genommen, um euch auf den neuesten STand zu bringen - und das alles mit einer unsaeglichen AZERTY-Tastatur und noch schlimmer, das M liegt ganz woanders und das Semikolon da, wo das Komma hingehoert (dqs , liegt gany zoqnders und dqs se,ikolon; dq zo dqs ko,,q hingehoert) da fallen die ss und ae kaum noch ins Gewicht.

So, jetzt mach ich ne kleine Fototour durch die Stadt; esse was, leihe mir ein Rad und fahr mal zum Surfstrand - vielleicht find ich da einen coolen Campingplatz...

Liebe Gruesse aus Essaouira
euer Casjen

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